Welches ist der richtige Index für meinen ETF?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index abbildet. Dies wird im einfachsten Fall dadurch erreicht, dass die in dem Index enthaltenen Aktien nach deren Gewichtung im Index gekauft werden. Bevor man also mit dem ETF sparen anfangen kann, muss man sich erst die Frage beantworten, welchen Index abgebildet werden soll.

Im deutschen Sprachraum wird hier meistens als Beispiel für eine Index der DAX erwähnt. Dieser ist für den normalen passiven ETF Investor meiner Meinung nicht wirklich geeignet, denn die Diversifikation durch die enthaltenen Werte lässt im DAX zu wünschen übrig. Z.B. sind nur deutsche Werte vorhanden und der Automobilsektor ist stark übergewichtet während die Finanzbranche und Technologie Firmen vor allem aus der IT sehr wenig vertreten sind. Doch welcher Index eignen sich besser?

Ein Index für Jedermann/Jedefrau

In diesem Artikel möchte ich die meiner Meinung wichtigsten Indizes vorstellen die sich perfekt dazu eignen passiv, weltweit gestreut in Aktien zu investieren. Mithilfe der in diesem Artikel erwähnten Indexe ist dies mit maximal 2 ETFs möglich. Wichtig bei der Auswahl eines Index für den passiven Investor ist es, einen möglichst großen Teil aller Aktien der Welt abzubilden und keine unbeabsichtigtes Über- bzw. Untergewichtung bestimmter Regionen und Sektoren zu haben.

Was ist eigentlich ein Aktienindex?

Ein Aktienindex repräsentiert die Entwicklung eines durch bestimmte Kriterien definierten Aktienkorbes. Er hat einen Startwert zu einem gewissen Datum und folgt der gebündelten Preisentwicklung dieses Aktienkorbes. Z.B. Enthält der DAX große Aktienunternehmen aus Deutschland (Large Cap) und diese sind anhand der Marktkapitalisierung gewichtet. Der MDAX enthält mittelgroße Firmen (Mid Caps) und der SDAX dann die kleinen Unternehmen (Small Caps) jeweils gewichtet nach der Marktkapitalisierung.

Außer anhand der Unternehmensgröße können Indexes auch bestimmte Sektoren oder anderen Kriterien abbilden. Wie zum Beispiel der TecDAX die Technologie Firmen, oder der DivDAX die Dividendenstarken Aktien.

Unter Marktkapitalisierung kann man sich grob gesagt den Wert eines Unternehmens vorstellen. Also hat eine Firma mit einem Wert von 1.000.000.000€ einen doppelt so großen Einfluss auf die Wertentwicklung des Index wie ein Unternehmen das 500.000.000€ Wert ist. Es gibt auch andere Kriterien zur Gewichtung der Aktien, aber meistens ist es die Marktkapitalisierung.

Eine weitere wichtige Eigenschaft eines Index ist es ob er ein Kursindex oder ein Performanceindex. Ein Kursindex repräsentiert die Kursentwicklung der enthaltenen Aktien. Wohingegen ein Performanceindex auch die Dividendenzahlungen beziehungsweise die Reinvestition dieser berücksichtigt.

Was bedeutet dies? Stellen wir uns vor, dass alle Firmen eines Index am gleichen Tag 2% des jeweiligen Unternehmenswertes als Dividenden ausschütten. Dann würde der Kursindex an diesem Tag mit -2% starten der Performanceindex wäre aber bei +/- 0%. Als Beispiele ist der DAX ist ein Performanceindex und der EuroSTOXX wird normalerweise als Kursindex dargestellt. Es werden meistens aber beide Varianten für einen Index berechnet.

Die Indexfamilie von MSCI

Der Finanzdienstleister MSCI aus den USA erstellt unzählige Indexe. Darunter sind die wohl bekanntesten Indexe die man für ein weltweit gestreutes Aktien Portfolio benötigt. Da ein Index ständig aktualisiert und neu gewichtet wird, sind die hier gemachten Angeben nicht für immer gültig, können aber als Richtwerte hergezogen werden. Diese ständige aktualisieren eines Index kommt daher, da sich die Kriterien anhand derer dieser zusammengestellt wird jederzeit ändern können. Z.B. kann sich die Marktkapitalisierung von Firmen so stark ändern, dass diese anders gewichtet oder sogar aus dem Index herausgenommen werden.

MSCI ACWI IMI mit ca. 8.800 AKTIEN

Dieser Index enthält wirklich alle weltweit relevanten Aktien. Das wird auch aus dem Namen klar, denn ACWI steht für ‚All Country World Index‘ (Frei übersetzt: Alle Länder der Welt) und IMI steht für ‚Investable Market Index‘ (Frei übersetzt: Investierbarer Markt). Dies bedeutet laut MSCI, dass alle Large-, Mid- und Small Caps aus 49 Ländern enthalten sind. Die 49 Länder unterteilen sich in 23 Industrieländer (z.B. USA, Japan und Deutschland usw.) und 26 Schwellenländern (z.B. China, Indien und Russland usw.).

Mit diesem Index kann man eigentlich nichts falsch machen. Egal wo auf der Welt in egal welchem Bereich die Post abgeht mit diesem Index bist du dabei. Als Nachteil sehe ich hier nur, dass es nicht so viele Anbieter gibt, die einen ETF für diesen Index anbieten und daher ist die Auswahl sehr bescheiden und die ETFs sind verhältnismäßig teuer. Das ändert sich aber sicher in den nächsten Jahren, da der ETF Markt boomt und es immer mehr Anbieter und ETFs gibt.

MSCI ACWI mit ca. 2.700 Aktien

Hierbei handelt es sich um den ‚kleinen Bruder‘ des oben genannten MSCI ACWI IMI. Dieser Index verzichtet auf die kleinen Aktienunternehmen. Die enthaltenen Länder sind aber die gleichen. Für diesen Index gibt es mehr Auswahl an ETFs die auch günstiger sind. Gute Small Caps werde ohnehin früher oder später zu Mid oder Large Caps und dann ist man hier auch mit beteiligt. Er enthält zwar viel weniger Aktien als der IMI, aber da die kleinen Aktien eine verhältnismäßig geringe Marktkapitalisierung und dadurch geringes Gewicht im Index haben, ist die Entwicklung sehr ähnlich wie beim MSCI ACWI IMI.

MSCI World mit ca. 1.650 Aktien

Der MSCI World ist der beliebteste Index für ETFs. Zumindest gibt es hier die größte Auswahl an verschiedenen ETFs. Der MSCI World konzentriert sich ‚nur‘ auf die Large- und Mid Caps der 23 Industrieländer. Die Unternehmen der USA machen über 50% des Index aus vor allem getrieben von den Megakonzernen wie Apple, Microsoft und Google. Dieser Index kann meines Erachtens auch gut alleine bauspart werden, macht sich aber besser in Kombination mit dem MSCI Emerging Markets dazu später mehr.

MSCI World SRI mit ca. 400 Aktien

Ich möchte den Index mit dem Namen MSCI World SRI nicht vergessen. Dieser investiert in die gleichen Unternehmen wie der MSCI World, nur dass vorher noch einige Unternehmen herausgefiltert werden. IMI steht für ‚Socially Responsibility Investment‘ (Frei übersetzt: Sozial verantwortliches Investment). Hier werden neben dem Ausschluss bestimmter kritischer Bereichen mehr oder weniger die Unternehmen nach deren sozialem und umwelttechnischem Verhalten sortiert und aus jedem Sektor nur die ‚Besten‘ genommen.

Dies bedeutet, dass hier zwar z.B. auch in Automobilwerte investiert wird,  aber nur in die, die sich nach MSCI am nachhaltigsten verhalten. Wer nicht einfach in jedes Unternehmen blind investieren will sollte sich genauer mit dem IMI Zusatz befassen und für sich entscheiden, ob dies seinen eigenen moralischen Vorstellungen entspricht bzw. nahe kommt. Die Performance der SRIs war in den letzten Jahren auch nicht merklich besser oder schlechter als des ungefilterten Index.

MSCI Emerging Markets (SRI) mit ca 1.200 (200) Aktien

Dieser Index enthält die großen und mittleren Aktien der 26 Schwellenländer, die im MSCI World fehlen. Ich würde diese nicht alleine Besparen, denn dies wäre eine Wette auf die Schwellenländer, die man auch gut verlieren kann. Am besten mit einem MSCI World ETF zusammen in einem selbst definierten Verhältnis besparen. Auch hier gibt es eine SRI Version die Anzahl der Unternehmen wird durch das Filtern aber sehr stark reduziert.

Gängig sind ein Verhältnis von 70% MSCI World zu 30% in MSCI Emerging Markte oder 75% zu 25%. Dabei wird bewusst der Emerging Market Teil übergewichtet. Der MSCI ACWI hat ungefähr eine Gewichtung vom 90 % zu 10 %. Was man beim selbst zusammenstellen und Gewichten für Vorteile hat und auf was man achten sollte ist genug für einen eigenen Beitrag und wird hier nicht weiter vertieft.

Anmerkung:
Den MSCI World und den MSCI Emerging Market gibt es jeweils auch in einer Small Cap Variante. Wenn man darauf besteht, dass auch kleine Unternehmen im Portfolio enthalten sind kann man auch jeweils einen ETF auf diese Indexes beimischen. Da ich es aber gerne einfach halte, stelle ich hier bewusst nur diese Variante vor.

Die Indexfamilie von FTSE

Eine weitere interessante Indexfamilie ist die von FTSE. Hier gibt es aber den Nachteil, dass es aktuell nur einen ETF Anbieter gibt der diese abbildet. Da diese ETFs aber vom Aufbau und den Kosten sehr interessant will ich die entsprechenden Indexes hier erwähnen.

Zu beachten ist, dass FTSE die Industrie und Schwellenländer etwas anders definiert als MSCI. Daher sollte man es vermeiden die beiden Indexfamilien zu kombinieren, da dadurch ‚Löcher‘ und unbeabsichtigtes Übergewicht entstehen kann. Z.B. ist Südkorea für MSCI ein Schwellenland und für FTSE ein Industrieland.

Ein weiterer Unterschied sind die Grenzwerte für die ein Unternehmen als Large-, Mid- oder Small Cap zählt. FTSE setzt die Werte ‚geringer‘ an, was dazu führt dass mehr Unternehmen als Large- und Mid Cap zählen als bei MSCI.

Der FTSE All World enthält alle Large und Mid-Caps aus 47 Industrie und Schwellenländer. Dies entsprich ca. 3.900 Aktien.

Der FTSE Developed der Industrieländer Index mit ca. 2.150 enthaltenen Aktien

Zu guter letzt der FTSE Emerging Market mit 1.750 Aktien.

Fazit

Mit einem ETF auf die Indexe MSCI ACWI IMI, MSCI ACWI oder FTSE All World kann man eigentlich nichts falsch machen, da man mit diesen schon sehr gut diversifiziert ist. Natürlich ist es auch ausreichend einen ETF auf die zwei Indexe MSCI World und FTSE Developed zu besparen da früher oder später jedes erfolgreiches Land und deren Unternehmen in einem dieser Indexe landet. Dennoch rate ich dazu ein bisschen Schwellenländer in Form eines ETFs auf den MSCI EM oder FTSE EM dazu zunehmen.

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