Realistische Depotentwicklung über 30 Jahren mit ETFs

Dass man mit einer langfristigen Anlage in ein weltweit gestreutes Aktienportfolio im Schnitt eine Rendite von ca. 6% – 7% pro Jahr erreicht wissen wir bereits. Wenn man vereinfacht mit diesem Wert rechnet gibt das einem ein gutes Gefühl und es wird einem klar, dass man in Aktien investieren sollte. Denn das Depot wächst immer schön ohne Rücksetzer an. Doch die Realität ist anders, an der Börse geht es auf und ab. Nun frage ich mich, wie die reale Entwicklung eines Depots in einem Zeitraum von 30 Jahren aussehen könnte. Ist das eher erschreckend oder kann man sich damit auch gut fühlen bei dem ganzen auf und ab?

Grundlagen für die Betrachtung

Für diesen Beitrag möchte ich eine realistische Entwicklung eines Depots in einem Zeitraum von 30 Jahren untersuchen. Dazu nehme ich den Verlauf des MSCI World Net Index der letzten 50 Jahre her. Dieser Index spiegelt den Verlauf der Entwicklung der Aktienmärkte aller Industrieländer ab inclusive aller Reinvestition der netto Dividenden. Aus diesem ca. 50 Jahre langen Kursverlauf nehme ich folgende 3 Perioden:

  • Ende Dezember 1969 bis Ende Dezember 1999 (die ersten 30 Jahre)
  • Ende Juli 1989 bis Ende Juli 2019 (die letzten 30 Jahre)
  • Ende Februar 1979 bis Ende Februar 2009 (nicht ganz zufällig gewählter 30 Jahre Abschnitt in der Mitte 🙂 )

Für alle Beispiele habe ich den Wert des Indexes am letzten Arbeitstag des Monats zur Verfügung. Der Sparer legt über die gesamte Anlagedauer immer am letzten Arbeitstag des Monats 100€ in den Index mithilfe eines fiktiven ETF auf diesen Index an. Dieser ETF hat eine TER von 0,25% pro Jahr, die in meiner Rechnung aber monatlich mit 0,02083% den Wert des Depots reduzieren. Dies ist leichter zu rechnen, führt aber rein rechnerisch zu etwas höheren Kosten im Vergleich zum jährlichen Abzug.

Die Kosten für den Kauf betragen 1,75% also bei dem Sparbetrag von 100€ pro Monat macht dies 1,75€. Steuern auf die Ausschüttungen und Kosten für die erneute Anlage sind nicht berücksichtigt. Der Net Index berücksichtigt ja nur die Quellsteuern, sprich dir zusätzlich anfallenden Kapitalertragssteuern werden nicht berücksichtigt. Da es hier in Deutschland aber auch einen Freibetrag von 801€ gibt, gehe ich davon aus, dass der Effekt hier nicht allzu groß ist.

Als vergleich habe ich für jeden Zeitraum den Verlauf des Kapitals wenn man die 100€ monatlich mit 0% Zinsen auf ein Giro packt hinzugefügt. Außerdem habe ich eine Anlage mit 5% Zinsen pro Jahr als Herausforderer der ETF Anlage hinzugefügt. Fragt mich nicht wo ich dieses tolle Anlageprodukt gefunden habe. Auch hier berechne ich die Zinsen monatlich, was den Zinseszinseffekt etwas erhöht im Vergleich zu Jährlichen Zinsauszahlung. Außerdem fallen für diese Anlage keine weiteren Kosten an. Wie auch bei der ETF Anlage werden hier die anfallenden Zinserträge nicht versteuern.

Die letzten 30 Jahre

Depotentwicklung vom Juli 1989 bis Juli 2019

Hätte ich also die letzten 30 Jahre jeden Monat 100€ zur Seite getan, dann hätte ich heute 36.000€ auf dem Konto. Bei einer Anlage von 5% wäre ich schon bei 83.500€ (vor Steuern) und bei dem fiktiven ETF wären es sogar 108.400€ (vor Steuern). Das ist doch ordentlich und entspricht ungefähr einer Verzinsung von 6,3%. Doch der Weg dahin war sehr turbulent. Zweimal ist der ETF fast wieder auf das Niveau der Zinslosen Anlage zurückgefallen. Zwischen dem 28.09.2007 und dem 27.02.2009 verliert der Sparer 25.000€. was ungefähr 50% des Kapitals war Dies muss man aushalten können. Dennoch ist die durchschnittlich erzielte Rendite nach 30 Jahren sehenswert.

Die ersten 30 Jahre

Depotentwicklung vom Dezember 1969 bis Dezember 1999

Was soll ich dazu noch sagen. In diesem Zeitabschnitt konnte man mithilfe unserem ETF eine Rendite von ca. 12,5% erreichen. Nach den 30 Jahren hat man somit ein Vermögen von ca. 392.000€. Doch was der Anleger nicht Weiß ist, dass es die nächsten 3 Jahren nach unten geht. Würdest du nach so einer Rendite Aussteigen? Ich denke, dass es sehr einfach fällt in so einem Marktumfeld das Sparen durchzuhalten.

Nicht ganz zufällig gewählter 30 Jahresabschnitt in der Mitte

Depotentwicklung vom Februar 1979 bis Februar 2009

Bei diesem Verlauf mach das ETF sparen 28 Jahre lang Spaß. Das Depot des Sparers ist eigentlich durchgängig gut im Plus. Doch dann kurz vor Ende kommt die Finanzkriese und nimmt dir über 100.000€. Das ist sehr Ärgerlich, trotzdem hat der Sparer eine Rendite von ca. 5,6% erzielt und hat am Ende ein Vermögen von ca. 95.000€. Da wir heute wissen, dass dies auch wirklich der tiefste Punkt der Finanzkrise war, können wir einfach nur hoffen, dass dieser Sparer noch ein paar Jahre gewartet hat bevor er das Geld entnommen hat.

Fazit

Bei der Anlage in Aktien muss man echt gute Nerven haben und einfach den Sparplan weiter durchziehen. Die Vergangenheit ist zwar kein Indiz für die Zukunft, dennoch gehe ich davon aus, dass diese Anlageform auch in Zukunft die Best möglich ist. Selbst bei einem Verlust von 50% konnte der letzte Anleger eine schöne Rendite von über 5% erzielen. Dies zu wissen beruhigt mich und gibt mir die Gewissheit, dass ich mit der Anlage meines Geldes in ETFs das bestmögliche für meine Altersvorsorge mache.

Keine Anlageberatung

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