Welchen Einfluss haben die Kosten eines ETFs auf meinen Rendite?

Beim Investieren in ETFs fallen viele verschiedene Kosten an. Sei es für den Kauf des ETFs oder für die kaufenden Kosten (TER).Manchmal steht man dann vor der Wahl einen ETF mit einer TER von 0,3% im Angebot bei seinem Broker kostenlos zu kaufen oder einen ETF auf den gleichen Index mit einer TER von 0,15% aber für die normal anfallenden Kosten beim Kauf. Um den Einfluss der einzelnen Kosten besser einschätzen zu können habe ich für diesen Beitrag mehrere Beispiele durchgerechnet um zu schauen welchen Einfluss diese auf meine Rendite haben.

Berechnung der Rendite anhand verschiedener Beispielen

Bei allen folgenden Beispielen gehe ich von einer langfristigen Investition in den Aktienmarkt mithilfe von ETFs aus. Daher nehme ich ein gleichmäßiges Inflationsbereinigtes Kurswachstum vom 3,5% pro Jahr an. Der ETF ist ausschüttend und zahlt jedes Jahr 2% des investierten Wertes als ‚Dividende‘ aus. In diesem Beitrag habe ich gezeigt, dass in der Vergangenheit dies für langfristige Investments sehr realistische Annahmen sind.

Die jährlichen Ausschüttungen werden komplett versteuert (Ich rechne ohne Freibetrag) der Rest wird mit den jährlich neu anzulegenden 2.400€ zusammen in den ETF reinvestiert. Sprich die Sparer legen jeden Monat 200€ und alle Ausschüttungen nach Steuern auf ein Konto und investieren diesen Betrag am Ende des Jahres komplett.

Anmerkung: Da ich als Kurswachstum inflationsbereinigte Werte nehme ist der Sparbetrag nicht Konstant, sondern wird um die Jährliche Inflationsrate erhöht. Diese Anpassung kann man auch automatisieren, indem man in seinem Sparplan eine automatische Anpassung von z.B. 2% pro Jahr einrichtet.

Beispiele

Person 1: 
TER:        0,3% 
Kaufkosten: 1,8% 
Steuern:    28% 

Sowohl die Kosten für den Kauf als auch die TER sind sehr hoch. Wenn man z.B. ein Sparplan abschließt zahlt man zur Zeit ungefähr diese 1,8%. ETFs auf den MSCI World mit einer TER von 0,3% sind auch sehr einfach zu finden und liegen im guten Mittelfeld (0,12% - 0,5%). Diese Werte sollte jeder ohne groß zu suchen und ohne Aufwand bekommen.
Person 2:
TER:        0,3%  
Kaufkosten: 0% 
Steuern:    28% 

Dieser Sparer nutzt ein ETF den er kostenlos besparen kann und hat damit keine Kosten für den Kauf. 
Person 3: 
TER:        0,15%  
Kaufkosten: 1,8% 
Steuern:    28% 

Zum Zeitpunkt als ich diesen Artikel geschrieben habe konnte ich ausschüttende ETFs auf den MSCI World mit einer TER von 0,15% finden. Daher ist dies auch ein sehr realistischen Beispiel. 
Person 4:
TER:        0,3%  
Kaufkosten: 1,8% 
Steuern:    0% 

Einfach um zu Zeigen welchen Einfluss die Steuern auf deinen Vermögensaufbau haben werden ich das ganze mal ohne Steuern durchrechen. Man beachte, dass dies nur Einfluss auf die Ausschüttungen hat. 
Person 5: 
TER: 0,18%  
Kaufkosten: 0,5% 
Steuern: 28% 

Dieser Sparer hat sich sehr viel mühe gegeben und hat gute Kaufkosten und TERs bei seinen ETFs.

Ergebnisse:

Entwicklung des Kapitals über 40 Jahren
Pers.Nach 5
Jahre
Nach 10
Jahre
Nach 20
Jahre
Nach 30
Jahre
Nach 40
Jahre
1 12.922,79 €29.115,03 €74.825,82 €146.592,04 €259.265,46 €
213.166,48 €29.684,52 €76.404,99 €149.938,38 €265.672,63 €
312.961,58 €29.319,18 €76.014,78 €150.385,15 €268.832,13 €
413.065,54 €29.871,48 €79.294,32 €161.065,20 €296.356,43 €
513.130,21 €29.691,71 €76.929,72 €152.083,00 €271.648,09 €

Das Wettrennen ist ja gerade zu Beginn sehr spannend. Niedrige Kosten für den Kauf eines ETFs machen sich schnell bemerkbar. Langfristig haben aber immer die niedrigen laufende Kosten die Nase vorne. Bei dem TER Vorteil von 0,15% zwischen Person 2 und 3 dauert dies aber ganze 30 Jahre. Da Person 4, die keine Steuern zahlt außer Konkurrenz mitläuft ist der Unterschied der restlichen 4 Personen nur knappe 12.000€ nach 40 Jahren.

Was muss ich tun, damit ich die 12.000€ am Ende heraushole? Person 1 hat anscheinend einfach einen Sparplan auf den erstbesten ETF abgeschlossen und hat damit nur einmal den Aufwand den Sparplan einzurichten. Falls sich bei der Bank und dem ETF in den 40 Jahren nichts ändert, gibt es für Person 1 keine weiteren Aufwände. Um die Kosten beim Kaufen eines ETFs zu sparen führt Person 5 seine Käufe nur einmal im Jahr manuell aus. Außerdem schaut er immer nach, dass er gerade den günstigsten ETF kauft. Person 5 darf sich dabei aber nicht von der aktuellen Marktlage beeinflussen lassen und auch wirklich zum definierten Zeitpunkt die Käufe regelmäßig ausführen.

Fazit

Ich bin vor allem sehr davon begeistert, wieviel Geld zusammenkommt wenn man 40 Jahre lang nur 200€ spart. Egal welche Person man betrachtet, alle besitzen am Ende eine beachtliche Summe. Die ja ohne die Bereinigung der Inflation sicher noch höher wäre. Daher ist es für mich wichtig einfach dabei zu sein.

Wenn man bei seinen Broker die Möglichkeit hat, einen ETF kostenlos zu besparen, der auch eine angemessene TER besitzt dann sind die durchaus zu empfehlen. Dennoch priorisiere ich für mich eine niedrige TER als wichtigstes Kriterium ein. Der Aufwand sich einmal im Jahr hinzusitzen und nach eventuell günstigeren ETFs zu suchen halte ich als durchaus angemessen.

Das Schöne an der Berechnung von Person 5 die ja keine steuern zahlt ist, dass jeder für Ausschüttungen bis zu 801€ keine Steuern zahlt. Dies entspricht bei einer Ausschüttungsquote von 2% einem Anlagebetrag von 40.050€. Dies kann man bei einer monatlichen Sparrate von 200 € schon nach knapp 10 Jahren erreichen.

Keine Anlageberatung

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